Alice Schwarzer zur Ethik der Strafverteidigung

Bei bild.de berichtet Alice Schwarzer unter anderem hier über den Prozess gegen den Wettermoderator Kachelmann. Mal abgesehen von den übrigen Äußerungen fällt folgende Formulierung auf:

Auch für einen Anwalt ist es gemeinhin keineswegs entscheidend, ob der Angeklagte nun in Wahrheit schuldig oder unschuldig ist. Entscheidend ist, dass er seinen Mandanten raushaut, mit allen Mitteln. Dafür wird er schließlich auch bezahlt.

Das kommt dabei raus, wenn man von Dingen spricht, die man nicht kennt.

Dem strafverteidigenden Anwalt geht es keinesfalls darum, den Angeklagten mit allen Mitteln “rauszuhauen”. Denn auch der Strafverteidiger kann sich unter gewissen Umständen der Strafvereitelung schuldig machen. Ein gewissenhafter Anwalt schöpft jedoch alle zulässigen Mittel der Strafprozessordnung aus, um ein nach rechtsstaatlichen Maßstäben korrektes Urteil zu erwirken.

Das kann auch mal eine Verurteilung des Angeklagten sein, die günstiger als das ist, was die Staatsanwaltschaft fordert. Das kann unter Umständen auch einzig und allein die “Überwachung” des Prozesses auf dessen Rechtsstaatlichkeit hin bedeuten, um ein unfaires Verfahren zu vermeiden.

Vielleicht sollte Frau Schwarzer mal die ersten Seiten der gängigen Strafverteidiger-Handbücher lesen. Das bildet auf diesem Sektor ungemein.

2 thoughts on “Alice Schwarzer zur Ethik der Strafverteidigung

  1. Micha sagt:

    Ich sehe an der Aussage von Frau Schwarzer nichts negatives. Sie ist meiner Meinung nach so zu verstehen, dass mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gekämpft werden kann und sogar muss, damit der Anwalt sich nicht selbst haftbar macht. Dafür hat der Anwalt mal lange studiert, um alle Mittel zu kennen, dass darf man ihm nicht negativ anrechnen.
    Wie wichtig solche “Tricks” und “Kniffe” sein können, wird Frau Schwarzer bestimmt erst bewusst, wenn sie ihren eigenen Vergewaltigungsprozess führt. Aber das will sich bestimmt keiner vorstellen….

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