Anwaltsalltag: Die unendliche Geschichte – Teil 356

Das zieht sich…

Nachdem in einer Verkehrsunfallsache der Kläger zunächst Prozesskostenhilfe für eine Klage beantragte und diesen später Antrag erweiterte, klagte die Beklagte (und nunmehrige (auch) Klägerin) ebenfalls. Der Kläger (und nunmehrige (auch) Beklagte) erhielt sodann die Prozesskostenhilfe zugesprochen und trat in das streitige Verfahren ein.

Nach mehrfachen langwierigen Schriftwechseln erfolgte eine erste Terminierung durch das Gericht, wobei vergessen wurde, einen teil der benannten Zeugen zu laden. Da alle Zeugen am gleichen Tag vernommen werden sollten, war die Verhandlung kurz. Neuer Termin wurde anberaumt.

Zu diesem neuen Termin erschienen nun alle notwendigen Zeugen. Der Vorsitzende jedoch fragte zunächst den Kläger (und Beklagten), ob er die Schadenshöhe, die er bestritten hatte, nicht vielleicht unstreitig stellen könne. Könne er nicht, teilte sein Rechtsanwalt mit (u.a. da auf seiner Seite auch eine Versicherung stand, die sonst wahrscheinlich Terz gemacht hätte).

Dann, so teilte der Vorsitzende mit, würde er die Zeugen nicht vernehmen. Er verlasse demnächst das Gericht, könne aufgrund der im Streit stehenden Schadenshöhe jedoch nach der Zeugenvernehmung ohne Sachverständigengutachten keine abschließende Entscheidung treffen. Das bliebe seinem Nachfolger vorbehalten, der jedoch dann notwendigerweise die Zeugen noch einmal vernehmen müßte. So war auch dieser Termin in 10 Minuten erledigt.

Damit steht zu erwarten, dass die Sache noch eine Weile liegt. Die potentiellen Nachfolger (oder Aktenübernehmer) sind jedenfalls mit ihren eigenen Akten schon genug ausgelastet. Über den Zuwachs an Akten des bisherigen Vorsitzenden werden sie sich wenig freuen. In diesem Jahr passiert da garantiert nix mehr…

One thought on “Anwaltsalltag: Die unendliche Geschichte – Teil 356

  1. Bert sagt:

    Beachtenswerter Artikel.Habe ein paar tolle Gedankenanstoesse bekommen. Freue mich schon auf neue Beiträge.

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