Da wundern sich die Beamten aber sehr!

Mäxchen Müller war im Zug von zwei Beamten der Bundespolizei kontrolliert worden. Man fand Betäubungsmittel im Kilobereich. Als man ihn festnehmen wollte, wehrte sich Mäxchen ein wenig und floh. Erst Tage später wurde er gefasst.

Wie sich Mäxchen wehrte, war strittig. Während er nur einen Beamten beiseite gestoßen haben wollte um danach durch die sich öffnende Zugtür zu verschwinden, berichteten die Bundespolizisten von heftigstem Widerstand, einem niedergeschlagenen Kollegen und brutaler Gewalt.

Für die Ermittlung wegen des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte (inkl. Körperverletzung) war die Bundespolizei zuständig, das Drogendelikt übernahm die lokale Kriminalpolizei. Die war dann auch wesentlich schneller mit der Ermittlung durch, so dass wohl schon die Anklage geschrieben war, ehe die Staatsanwaltschaft von der Bundespolizei eine Akte mit ermitteltem Sachverhalt erhielt. Da die Staatsanwaltschaft mit Augenmaß an die Sache ging und erkannte, dass bei BTM-Handel im Kilobereich so ein kleiner Widerstand gg. Beamte nicht wirklich ins Gewicht fällt, stellte sie das Verfahren kurzerhand nach § 154 StPO als unbedeutende Nebentat ein.

Das wussten freilich die Beamten nicht, die in der Hauptverhandlung dann kurz was zum Drogenfund bekundeten – wobei sie sich wegen der gefundenen Menge “schockiert” sahen – und dann weit ausholten, um die brutale Widerstandsleistung auszubreiten. Denn darüber waren sie noch mehr schockiert.

Dass das niemanden in der Hauptverhandlung mehr interessierte, insbesondere das Gericht wegen der zuvor erfolgten Einstellung nicht interessieren durfte, stieß auf erkennbare Verwunderung und Missbilligung. Einerseits ein bisschen verständlich. Wer sich allerdings von Drogenfunden und Widerstandsleistungen derart “schockiert” zeigt, wie dies in den Aussagen immer wieder betont wurde, der sollte sich vielleicht einen anderen Job suchen.

Achja, die Drogensache brachte Mäxchen etwas mehr als 3 Jahre Knast ein. Da hätte die Widerstandshandlung den Kohl wirklich nicht mehr fett gemacht.

 

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One thought on “Da wundern sich die Beamten aber sehr!

  1. schneidermeister sagt:

    So wie Sie es formulieren, dass das Gericht sich nicht für die Festnahmesituation interessieren DURFTE, ist es falsch.Natürlich darf das Tat/Nachtatverhalten das Gericht interessieren, auch wenn eine Teileinstellung erfolgte. Und wenn die Zeugen auch zu diesem Thema vernommen worden wären und das Gericht von deren Version überzeugt gewesen wäre, hätte es das sogar strafschärfend berücksichtigen dürfen, s. 5 StR 425/12.

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