Debcon kauft Filesharing-Forderungen von BAEK LAW

Die mittelweile wohl bekannte Inkasso-Firma Debcon GmbH aus Witten hat eigenen Angaben zufolge Forderungen aufgekauft, die ursprünglich von der Kanzlei BAEK LAW geltend gemacht wurden. Es handelt sich dabei um Forderungen aus angeblichen urheberrechtlichen Verletzungen.

Mal davon abgesehen, dass dem Schreiben, welches sich wieder einmal direkt an den Abgemahnten richtet und den zumindest BAEK LAW bekannten vertretenden Anwalt übergeht, kein Nachweis des Forderungsübergangs beigefügt ist, ist auch die Formulierung sehr merkwürdig.

Die Forderungen seien “durch die Rechtsanwaltskanzlei BAEK LAW mit wirtschaftlicher Wirkung vom 10.10.2012 an uns verkauft und folglich abgetrefen” worden. Vermutlich wird damit zum Ausdruck gebracht, dass die Kanzlei für die Rechteinhaber handelnd die Forderungen an Debcon veräußert / vermittelt hat. Denn eigene Forderungen hat die jeweilige Anwaltskanzlei auf Seiten des Rechteinhabers nur gegen den Rechteinhaber selbst. Forderungen gegenüber dem Abgemahnten existieren jedoch nicht. Diese Forderungen hat (evtl.) der Rechteinhaber selbst.

Spannenderweise wird im Schreiben der Rechteinhaber jedoch nicht einmal genannt. Es wird nur auf das ehemalige Aktenzeichen der Kanzlei BAEK LAW verwiesen. Das ist insofern natürlich mehr als frech, als dass es dem angeschriebenen Abgemahnten, der womöglich in der Vergangenheit mehrere Abmahnungen erhalten hat, wohl kaum möglich sein wird, die Sache nur anhand des Aktenzeichens zuzuordnen.

Von hier aus kann aktuell nicht beurteilt werden, in wie vielen Fällen die Debcon Forderungen von BAEK LAW gekauft haben und ob die Abtretungen überhaupt rechtlich wirksam sind. Hierzu fehlt es an jeglicher Darlegung seitens Debcon.

Es fällt auch wieder auf, dass sich die Debcon, wie in der Vergangenheit auch schon geschehen, wieder direkt an die Abgemahnten unter Umgehung des jeweiligen Rechtsanwaltes herantritt. Selbstverständlich sind die Inkassofirmen dem §12 BORA nicht unterworfen, so dass dieses Handeln nicht unzulässig ist. Bei den Abgemahnten führt dies, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in vielen Fällen schon Jahre vergangen sind, seit sich die ursprünglich sachbearbeitende Kanzlei das letzte Mal gemeldet hatte, zu erheblichen Irritationen.

Aus diesem Grund: Wenn Sie ein Schreiben der Debcon GmbH erhalten, welches auf eine Forderung einer Anwaltskanzlei aus angeblichen Urheberrechtsverletzungen Bezug nimmt, sollten sie ihre Rechtsanwalt unbedingt zeitnah aufsuchen. Gehen sie bitte davon aus, dass dieser nichts vom Schreiben der Debcon weiß und dementsprechend keine Fristen einhalten kann, ohne dass sie ihn informieren!