Der geplatzte Deal – Einer redet, einer sitzt!

Mäxchen, Fritzchen und Paulchen hatten Ärger. Man meinte, sie beim Klauen erwischt zu haben.

Mäxchen und Fritzchen waren von der Polizei mit der Diebesbeute erwischt worden. Mäxchen meinte, er sei nur zufällig da. Fritzchen meinte, das Zeug sei Paulchens Eigentum. Paulchen wiederum, kurz darauf polizeilich befragt, meinte zum Tatzeitpunkt gar nicht im Lande gewesen zu sein und beschuldigte Fritzchen. Fritzchen und Paulchen waren sich aber einig, dass Mäxchen nichts mit der Sache zu tun haben sollte.

Den Überblick verloren? Nein? Gut! Dann weiter:

Die Staatsanwaltschaft machte es sich einfach und klagte alle drei an. Vor- und im Raum stehende Gesamtstrafen machten eine Verteidigung aller drei gesetzlich notwendig. Da der Schaden schon im Vorfeld angerichtet war, wollten sich alle drei einlassen. Mäxchens Verteidiger bremste diesen erstmal und fühlte bei den anderen Verteidigern erstmal nach, ob sich bei Einlassungen der Anderen eventuell für Mäxchen negative Folgen bilden könnten. Dem war nicht so, denn Fritzchen und Paulchen waren sich immer noch einig, Mäxchen aus allem raushalten zu wollen.

Bei Verhandlungsbeginn trafen sich die Profi-Juristen zunächst im Hinterzimmer um über eine mögliche Verkürzung des Verfahrens nachzudenken (Verfahrensabsprache / Deal). Nach einigem Hin und Her war klar, dass im Falle einer Einräumung der Tatvorwürfe Mäxchen und Paulchen mit einer Einstellung des Verfahrens nach § 153 Abs. 2 StPO zu rechnen hatten. Für Fritzchen sollte es im Rahmen einer sogenannten nachträglichen Gesamtstrafenbildung eine sehr moderate Erhöhung der Strafe geben. Alles in allem eine vernünftigte Lösung.

Mäxchen ging kurz in sich, fand daraufhin heraus, dass er an der Sache wohl doch irgendwie beteiligt war (oder dass das ein oder andere Beweismittel ihm zum Nachteil gereichen könnte), und nickte auf die Frage, ob der Vorwurf zutreffe ganz kurz. Paulchen machte es ebenso.

Fritzchen hingegen redete etwas länger. Grundtenor seiner Ausführungen: Er sehe es nicht ein, schon wieder für Paulchen den Kopf hinzuhalten und für ihn (länger) in den Knast zu gehen. Was folgte, war eine umfassende Belastung des Paulchens, die dessen Tatbeitrag in einem völlig anderen Licht erscheinen ließ und darüber hinaus noch die ein oder andere Sache ans Licht brachte.

Sämtliche Profijuristen waren baff (Zuschauer gab es nicht), und Paulchen noch mehr. Das Gericht ließ den Deal im Bezug auf Paulchen platzen. Der Staatsanwalt machte sich umfangreich Notizen (für neue Ermittlungsverfahren). Fritzchen blickte zufrieden drein. Paulchen hielt den Mund.

Mäxchen hingegen war froh, dass der Deal, soweit es ihn anging natürlich bestehen blieb. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Dank Strafklageverbrauch können nun Fritzchen und der eventuell nun von Rachegedanken getriebene Paulchen auch erzählen was sie wollen. Mäxchen hat, was die angeklagten Tatkomplexe angeht, nichts mehr zu befürchten.

Wir lernen: Wenn mehrere angeklagt sind, so sollte sich derjenige, der am meisten Dreck am Stecken hat, es sich nicht mit den anderen im Vorfeld verscherzen. Denn offenbar lag genau hier der Grund für Fritzchens Redebedürfnis. Und bevor man sich auf einen derartigen Deal einlässt, sollte man prüfen, ob daraus nicht Ungemach entstehen kann.

Alles zu kompliziert? Dann einfach ab zum nächsten Strafverteidiger, idealerweise einem Fachanwalt für Strafrecht! Unsere Telefonnummer finden Sie übrigens ganz oben rechts auf dieser Seite.