Der gewerbliche Privatverkäufer in Auktionsplattformen

Auktionsplattformen wie E-Bay oder Riccardo sind eigentlich sinnvolle Angelegenheiten. Das ungeliebte Weihnachtsgeschenk kann ebenso wie zu klein gewordene Kleidung noch einer nahezu unbegrenzten Zahl an potentiellen Käufern angeboten werden. Das spart den Gang zum Flohmarkt und erhöht die Verkaufschancen erheblich. Für Privatleute, die mal eben ein zwei Sachen verkaufen wollen, ist dies eine feine Sache.

Längst haben auch gewerbliche Händler diese Plattformen und das Verkaufspotential erkannt. Und so dürfte ein Großteil der angebotenen Waren heutzutage im Rahmen von Festpreisangeboten einen Abnehmer finden. Der Auktionsgedanke leidet ein wenig.

Neben den privaten und den gewerblichen Verkäufern hat sich jedoch, oft unbemerkt von sogar den Betroffenen selbst, die Gruppe der gewerblichen Privatverkäufer gebildet. Diese Gruppe zeichnet sich meist dadurch aus, dass sie keinerlei Ahnung von ihrem Status haben. ´

Wer nämlich vom Verkaufsfieber gepackt wird und fröhlich immer neue Sachen auf Auktionsplattformen anbietet, der kann sehr schnell als gewerblicher Verkäufer gelten, obwohl er sich als Privatverkäufer wähnt. Denn für diese Einordnung kommt es nicht auf das gewollte Handeln sondern vielmehr auf die objektive Betrachtung an.

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Gewerbliches Handeln
Die Rechtsprechung hat verschiedene Kriterien entworfen, nach denen zu beurteilen ist, ob ein Verkäufer noch privat oder schon gewerblich handelt. Als gewerblicher Verkäufer kann eingestuft werden, wer eine große Anzahl von Artikeln anbietet, viel Neuware im Bestand hat oder mehrere gleichartige Artikel gleichzeitig verkauft. Im Rahmen einer Einzelfallbetrachtung werden noch andere Kriterien hinzugezogen.

Ist das Kind den Stramplern entwachsen und werden alle 50 Strampler in gesonderten Auktionen angeboten, so dürfte eine gewerbliche Tätigkeit vorliegen. Gleiches gilt beispielsweise, wenn man mehrere Handys gleichen Typs gleichzeitig anbietet. Immer kommt es dabei jedoch auf die Einzelfallentscheidung des angerufenen Gerichts an.

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Die Folgen gewerblichen Handelns
Zwei grundlegende Probleme stellen sich dem unerwartet gewerblich Handelndem. Zum einen haftet er gegenüber den Käufern wie ein professioneller Händler. Dies schließt unter anderem Gewährleistungs- und Schadensersatzrechte ein. Sind die Käufer Verbraucher, steht ihnen zusätzlich ein Widerrufsrecht zu. Dieses dürfte mangels vorhandener Widerrufsbelehrung vielfach zeitlich unbegrenzt gelten.

Zum zweiten werden echte gewerbliche Händler oftmals auf solche Angebote aufmerksam. Dies kann die Gefahr teurer Abmahnungen mit sich bringen. Wer gewerblich handelt hat nämlich erhebliche Informationspflichten, u.a. im Hinblick auf Impressum, Widerrufsbelehrung, Telemediengesetz, Dienstleistungsinformationsverordnung (DL-Info-VO) etc. Werden all diese Informationspflichten nicht erfüllt, so kann dies Unterlassungsansprüche wegen wettbewerbsrechtlichen Verstößen begründen. Die Folge sind teure Abmahnungen von Unternehmen, die sich in ihrem Territorium verletzt fühlen.

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Was tun…
Grundsätzlich sollte man nicht im Übermaß Dinge über Auktionsplattformen verkaufen. Die Folgen einer Einordnung als gewerblicher Verkäufer können verheerend sein. Zudem kann es nicht schaden, in den einzelnen Angeboten auf die Herkunft der Artikel (z.B. Haushaltsauflösung, Dachbodenfund, aus den Klamotten herausgewachsenes Kind etc.) hinweisen. Vermeiden Sie auch, für Verwandte und Freunde über Ihren Account Verkäufe zu tätigen. Zeigen Sie den jeweiligen Personen lieber, wie man solche Auktionen selbst durchführt. Das schützt Sie nicht nur vor eventuellem gewerblichen Handeln. Es verhindert auch, dass die Käufer etwaige Ansprüche (Mängel, falsche Ware, Schäden) Ihnen gegenüber geltend machen können. Haben Sie Zweifel, ob Ihre Angebote als gewerblich einzustufen sind, so lassen Sie dies einen spezialisierten Anwalt überprüfen.

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…wenn’s brennt?
Sind Sie bereits abgemahnt worden, dann verfallen Sie bitte nicht in Panik. Unterschreiben Sie nicht vorschnell Unterlassungserklärungen und zahlen sich nicht überhastet Anwaltsgebühren. Suchen Sie einen spezialisierten Rechtsanwalt auf, der zunächst die Berechtigung der Abmahnung und sodann etwaige Kostenerstattungsansprüche prüfen wird. Selbst wenn solche Ansprüche dem Grunde nach bestehen, ergibt sich oftmals für einen Anwalt die Möglichkeit, die Forderung erheblich zu reduzieren. Vermeiden Sie jedoch weitere Auktionen. Ggf. sollten Sie bereits gestartete Auktionen, sofern noch möglich, beenden.

Nehmen Sie Abmahnungen dieser Art auf jeden Fall ernst! Sollten Sie nicht reagieren, drohen teure gerichtliche Verfahren.

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Sowohl für die Prüfung Ihrer Angebote wie auch für den Fall, dass Ihnen eine Abmahnung ins Haus gekommen ist, stehen wir als Rechtsanwälte gern an Ihrer Seite. Kontaktieren Sie uns, wir können kurzfristige Besprechungstermine realisieren. Dank moderner Kommunikationsstrukturen ist auch eine bundesweite Bearbeitung von Mandaten möglich.