Filesharing: Und wieder rät RSV-vermittelter Anwalt zur Zahlung!

Ich hatte ja gedacht, dass es sich hierbei um einen Einzelfall handeln mußte.

Doch nein: Heute sitzt eine Mandantin vor mir und erzählt mir, dass sie sich nach einer Abmahnung der Kanzlei Waldorf mit ihrer Rechtschutzversicherung in Verbindung gesetzt hat. Diese habe sie an einen Anwalt telefonisch vermittelt. Dieser Anwalt habe dann, ohne Hintergründe zu erfragen oder jemals die Abmahnung gesehen zu haben, der Mandantin empfohlen, die Unterlassungserklärung zu unterzeichnen und 200,- EUR zu zahlen. Ansonsten solle sie die Sache aussitzen.

Mal abgesehen vom Ergebnis dieses Rates ist mir unverständlich, wie verantwortungslos Kollegen in solchen Sachen agieren. Weder wird hinterfragt, ob es Tatsachen gibt, die gegen eine direkte oder eine Störerhaftung sprechen, noch wird die Abmahnung selbst auf ihre Fehlerhaftigkeit hin untersucht. Ich hoffe, die Mandantin bringt den Namen des Kollegen in Erfahrung. Ich würde gern seine Beweggründe für eine derartige Fehlleistung erfahren.

6 thoughts on “Filesharing: Und wieder rät RSV-vermittelter Anwalt zur Zahlung!

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  2. RA Schlosser sagt:

    @RA Ratzka:
    Wenn urheberrechtliche Verstöße nicht vom Versicherungsschutz umfaßt sein sollten, stützt diese Tatsache meine Auffassung von der Inkompetenz der Versicherung und des Kollegen, daß man dort allseits nicht einmal wußte, in welchen Bereich man das Problem des Versicherungsnehmers einzuordnen hat.
    Das verstärkt meine Bedenken gegen die von Ihnen mitgeteilten Verhaltensweisen der Versicherer und ihrer “Telefon-Anwälte”. Passende Kommentare zum Verhalten der Rechtsschutzversicherer findet man ja auch in dem einschlägigen Blog http://www.rsv-blog.de.

  3. RA Ratzka sagt:

    @RA Langhans:
    Eben, das frage ich mich auch. Der Versuch der “Kundenbindung durch Service” wäre jedenfalls dann in die Hose gegangen.

    @RA Schlosser:
    Wie Kollege Langhans schon schrieb: Die RSV zahlt i.d.R. im Urheberrecht gar nicht. Eine Ausnahme habe ich bislang nur bei der ÖRAG in Erfahrung bringen können, die unabhängig von einem Rechtschutzfall wohl eine einmalige Telefonberatung mit 190,- € netto zahlt, allerdings wohl nur ein- oder zweimal im Jahr. Da könnte dann auch eine Urheberrechtsberatung einfließen.

  4. Den Namen wird man kaum herauskriegen. Frage mich nur eben, welches Interesse eine RS, die idR ja bei Urhebersachen nicht zahlt, hier an der Vermittlung hat.

  5. RA Schlosser sagt:

    In einer solchen Angelegenheit ohne weitere Nachfragen und ohne Sichtung der Unterlagen einen Rat zu erteilen, ist unverantwortlich (vorausgesetzt, die Ausführungen der Mandantin sind zutreffend).

    Für die Rechtsschutz-Versicherung aber sicherlich kostenmäßig effektiv – jedenfalls, wenn man davon ausgeht, daß die Mehrheit der Versicherten keinen weiteren Rechtsanwalt konsultiert, der sich der Sache wirklich annimmt…

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