Fristlose Kündigung nach länger zurückliegender sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Selbst wenn eine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schon mehr als ein Jahr zurückliegt, das Opfer sich jedoch erst längere Zeit nach der Tat dem Arbeitgeber offenbart, rechtfertigt dies eine fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit dem Täter, auch wenn das Arbeitsverhältnis schon über lange Jahre bestanden hatte (LAG Schleswig-Holstein , Urteil vom 10.11.2015 – 2 Sa 235/15).

Zum Zeitpunkt der Kündigung war der klagende Arbeitnehmer ca. 22 Jahre im Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels beschäftigt. Wegen des Verzehrs eines Stückes Fleisch wurde ihm zunächst im Januar 2015 fristlos gekündigt, wogegen sich der Arbeitnehmer mit der Kündigungsschutzklage wehrte. Nach Ausspruch der Kündigung erhielt der Arbeitgeber Kenntnis von einer vom Kläger begangenen sexuellen Belästigung an einer anderen Mitarbeiterin. Diese hatte sich nach der Tat zunächst nur gegenüber der Marktleiterin geoffenbart.

Das Arbeitsgericht hielt die Kündigung zunächst für unwirksam. Das Landesarbeitsgericht bestätigte die Kündigung jedoch. Der Verzehr des Fleisches rechtfertige eine ordentliche Kündigung. Die sexuelle Belästigung sei jedoch Rechtfertigung für die fristlose Kündigung. Die Zwei-Wochen-Frist habe der Arbeitgeber nicht einhalten müssen, da er erst nach dem Ausspruch der Kündigung davon erfuhr. Der Vorfall liege zwar lange zurück, allerdings habe der Arbeitgeber erst jetzt davon erfahren. Das Wissen der Marktleiterin sei nicht zuzurechnen. Diese habe vom Opfer keine Erlaubnis zur Weitergabe des Wissens gehabt. Das Abwarten einer Kündigungsfrist sei dem Arbeitgeber angesichts der Schwere der Verfehlung nicht zumutbar.

 

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