Gegen Urlaubsfrust: Anschlussflug auch ohne Reisegepäck!

Die meisten Urlauber kommen in diesen Tagen zurück (zumindest hier in Sachsen-Anhalt) und werden viel zu berichten haben. Der ein oder andere wird aber auch Frust schieben, weil irgendwas im Urlaub nicht geklappt hat. Entweder war das Hotel zu schlecht, das Essen gesundheitsgefährdend oder eben der Flug wurde verpaßt.

Urlaubern auf dem Weg nach Curaçao ging dies so. Sie sollten von München zunächst nach Amsterdam und dann mit einer weiteren Maschine nach Curaçao fliegen. Bereits in München gab’s die Bordkarten für den Anschlussflug. Die Maschine aus München hatte in Amsterdam zwar Verspätung, zum Einstieg in den Anschlussflug kamen die Urlauber jedoch rechtzeitig und mit Bordkarte.

Der Zugang zur Maschine wurde ihnen jedoch verwehrt, da ihr Gepäck noch nicht aus der ersten Maschine in die Maschine für den Anschlussflug umgeladen werden konnte. Folglich blieben sie am Boden und reisten einen Tag später nach Curaçao.

Nach Rückkehr begehrten die Urlauber vor dem Landgericht München die Leistung einer Ausgleichszahlung nach der Fluggastrechteverordnung (Verordnung (EG) Nr. 261/2004) in Höhe von jeweils 600,– Euro (es waren insgesamt 8 Urlauber) sowie den Ersatz weiterer Mehrkosten (zusätzliche Übernachtung in Amsterdam etc.). Das Landgericht wies die Klage zunächst ab und auch die Berufungsinstanz hielt die Entscheidung.

Der Bundesgerichtshof sah die Sache etwas anders (BGH, Urteil vom 28. August 2012, Az.: X ZR 128/11). Er sprach zunächst die Fluggastentschädigung zu und verwies wegen der Mehraufwendungen an das Berufungsgericht zurück.

Voraussetzung für einen Entschädigungsanspruch ist unter anderem, dass die Fluggäste rechtzeitig einchecken und ihren Flug auch antreten wollen. Nach Auffassung des BGH kommt es bei der Kombination aus Zubringer- und Anschlussflug nur auf das Einchecken in den Zubringerflug an, zumindest wenn mit diesem Einchecken auch gleich das Einchecken für den Anschlussflug durchgeführt wird. Dies war hier der Fall, denn immerhin hatten die Reisenden bereits die Bordkarten für den Anschlussflug.

In einem solchen Fall sei es nicht notwendig, dass die Reisenden 45 Minuten vor Start des Anschlussfluges noch einmal für diesen einchecken. Sie müßten nicht einmal binnen dieser Frist ihre Absicht zur Weiterreise anzeigen. Es sei lediglich notwendig, dass sich die Fluggäste noch rechtzeitig vor Beendigung des Einstiegs am Flugsteit einfinden um das Flugzeug zu besteigen.

Dass das Fluggepäck der Reisenden nicht mit an Bord gehen konnte, sei kein Grund zur Verhinderung des Einstiegs. Nach Nr. 5.3 des Anhangs I der Verordnung (EG) Nr. 300/2008 vom 11. März 2008 stelle der vom Reisenden unbegleitete Transport von Reisegepäck lediglich dann ein Sicherheitsrisiko dar, wenn der Reisende selbst habe Einfluss darauf nehmen können, ob der Transport begleitet oder unbegleitet stattfindet. Ist das Gepäck bereits durchgecheckt, so liegt ein Sicherheitsrisiko nicht vor, wenn es zwar die Reisenden, nicht aber das Gepäck rechtzeitig zum Flieger schaffen.

 

Die Entscheidung ist richtig. Schließlich liegt es nicht in der Risikosphäre des Reisenden, dass sein Gepäck nicht rechtzeitig umgeladen werden kann. Die Entscheidung berücksichtigt jedoch nur Fälle, bei denen der Eincheckvorgang einschließlich Gepäcküberprüfung bereits beim Zubringerflug auch für den Anschlussflug erfolgte. Bei getrennten Eincheckvorgängen sieht dies anders aus.

Urlauber sollten bei Problemen mit Flugreisen jegliche Mängel dokumentieren und, soweit möglich, Ausfälle oder Verweigerungen des Weiterfluges sich schriftlich bestätigen lassen. Auch jede Verspätung sollte dokumentiert werden. So lassen sich nach der Rückkehr bei der Geltendmachung von Ersatzansprüchen Streitigkeiten über das Vorliegen von Schadensersatzgründen vermeiden. Sprechen Sie darüber am besten mit einem Rechtsanwalt!

Zur Pressemitteilung des Bundesgerichtshofes