Geordneter Rückzug

A hatte als führender Beteiligter einer Schlägerei einen Strafbefehl gefangen und gegen diesen Widerspruch eingelegt. Kurz vor der mündlichen Verhandlung entschloss sich A, einen Verteidiger zu beauftragen. Die Ermittlungsakte stellte sich als dünn heraus. Nur ein einziger Zeuge hatten gegenüber der Polizei Angaben gemacht. Die anderen hatten, da ebenfalls der Vorwurf von Verletzungshandlungen im Raume stand, den Herren in Uniform erstmal nix gesagt.

A hatte sich mit seinem Verteidiger sodann besprochen. Schweigen fiel als Verteidigungsmittel aus, da umfangreiche Angaben bereits gegenüber der Polizei gemacht wurden und zudem der Einspruch gegen den Strafbefehl diverse Ausführungen enthielt. Allerdings teilte A dem Verteidiger mit, dass nix an der Sache dran sei. Eine kleine Rempelei unter Alkoholeinfluss halt.

Der erste Zeuge der Hauptverhandlung sprach eher von erheblichen Aggressionen, die der Staatsanwaltschaft schon die Worte “gefährliche Körperverletzung” in den Sinn kommen ließen. Ein Satz des Zeugen ließ alle aufhorchen: “…aber das konnten Sie ja sicher auf dem Überwachungsvideo sehen”. Dieses Video sollte laut Ermittlungsakte eigentlich versehentlich vernichtet worden sein. Die existente Kopie ließ jedoch den milde gestimmten Richter R sehr genau in Richtung A schauen.

Nachdem sich A mit seinem Verteidiger erneut besprochen und diesem gegenüber eingeräumt hatte, dass er vom Abend letztlich nichts mehr weiß und dass seine eigenen Verletzungen schon auf eine ziemlich heftige Auseinandersetzung hindeuteten (wobei seine Statur vermuten ließ, dass er noch mehr ausgeteilt als eingesteckt hatte) und auch Kumpel ihm erzählt hätten, dass ganz schön was los war, wurde auf Anraten des Verteidigers der Einspruch gegen den Strafbefehl (mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft) zurückgenommen.

Was letztlich herausgekommen wäre, wenn ein Urteil erlassen worden wäre, mag man sich leicht ausmalen. Daher der zwingende Rat an alle Beschuldigten:

1. Gehen Sie rechtzeitig zu einem Strafverteidiger und lassen Sie sich beraten!

2. Machen Sie gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft sowie sonstigen Personen vor dem Kontakt mit einem Strafverteidiger keine Angaben! Das Recht zu schweigen ist dazu da, genutzt zu werden.

3. Ihr Verteidiger unterliegt der Verschwiegenheitspflicht. Ihm können Sie daher grundsätzlich alles erzählen. Wollen Sie ihn vor Überraschungen und damit sich selbst vor einer falschen Verteidigungsstrategie schützen, so erzählen Sie ihm die Wahrheit, so weit Sie sie wissen. Nur ein gut vorbereiteter Verteidiger kann Sie effektiv verteidigen!