Gerade nochmal gut gegangen!

Die Zeugin belastete die Angeklagten schwer. Sie war die einzige Zeugin, ihre Aussage daher von übergeordneter Bedeutung. Was auffiel war, dass die Zeugin große Erinnerungslücken hatte, sich schon in zwei polizeilichen Vernehmungen widersprach und auch die Aussage in der Hauptverhandlung von den Aussagen bei der Polizei in etlichen, spielentscheidenden Punkten abwich. Nicht nur die Verteidigung, sondern auch Gericht und Staatsanwaltschaft waren mehr als skeptisch.

Der Zeugin drohte somit spätestens nach der zu erwartenden harten Befragung durch die Verteidigung ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage und falscher Verdächtigung.

Zu ihrem Glück teilte die Staatsanwaltschaft noch vor der Vernehmung der Zeugin durch die Verteidigung mit, dass sie die weitere Vernehmung der Zeugin sowie der weiteren Zeugen (die keine direkten Tatzeugen waren) nicht mehr für erforderlich halte, da schon das, was die Zeugin bislang in der Hauptverhandlung ausgesagt hatte, nicht ausreichte, um den Tatvorwurf zu bestätigen. Das Gericht teilte die Auffassung, die Nebenklägerin ließ sich von ihrer Anwältin überzeugen, dass eine Fortsetzung der Beweisaufnahme sicher nicht ganz leicht für sie werden würde.

Auch die Verteidigung stimmte dem Prozedere so zu, so dass das Gericht die Beweisaufnahme zügig beendete und die Angeklagten freisprach.

Was führte zu diesem Ergebnis? Eine ausnahmsweise einmal sehr gute polizeiliche Zeugenvernehmung. Sicherlich warfen auch die Einlassungen einiger Angeklagter ein günstiges Licht auf die Sache (auch ausnahmsweise). Und sicherlich hatte auch die Staatsanwaltschaft Augenmaß in der Hauptverhandlung, um die Sache nicht unnötig auszudehnen (leider auch nur ausnahmsweise).

Was wäre sonst passiert? Die Vernehmung der Zeugin durch die Verteidigung wäre für die Zeugin vermutlich heftig geworden. Verschiedenste Gutachten, um die das Gericht anschließend nicht herumgekommen wäre, hätten voraussichtlich zur Aussetzung der Verhandlung geführt. Das Verfahren hätte dann von neuem begonnen. Es wäre unsagbar viel Geld verbrannt worden und das Ergebnis wäre für die Angeklagten vermutlich das gleiche, für die Zeugin jedoch ein Strafverfahren gewesen.

Noch besser wäre es gewesen, wenn bei den sich schon aus der Akte ergebenden Zweifeln an der Strafbarkeit, die Staatsanwaltschaft die Zeugin hätte noch einmal selbst vernommen und dann von einer Anklage hätte abgesehen. Aber, vielleicht beim nächsten mal…