Gut gucken könn’ se schlecht, aber schlecht gucken könn’s se gut!

A ist angeklagt, eine Sachbeschädigung an einem geringwertigen Gegenstand begangen zu haben. Als Zeuginnen führt die Staatsanwaltschaft X und Y ins Feld, die die Tat gesehen haben wollen. A bring die Zeugen K, L und M mit, die ihm ein Alibi geben.

Das Gericht vernimmt die Zeugen und verurteilt den A. Zur Grundlage macht es die Aussagen von X und Y. Beide sind alt, tragen eine Brille, wurden mitten in der Nacht wach, sind in offenbar atemberaubender Geschwindigkeit zum Fenster geeilt, haben dabei ihre Brillen aufgesetzt und entsichert und so zweifelsfrei den A auf der gegenüberliegenden Straßenseite erkannt. Das ganze mitten in der Nacht und während der Täter ihnen den Rücken zugedreht hatte und sich sodann nur ganz kurz einmal umdrehte. Aber, X und Y waren halt sofort nach dem unerwarteten Erwachen topfit! Dann haben X und Y auch noch gesehen, wie der A, der kurz aus dem Blickfeld verschwunden war, in erheblicher Entfernung die Sachbeschädigung begangen haben soll.

Woran X und Y den A erkannt haben wollen, schildern sie nicht. Können sie auch nicht, denn A war nicht dort. Das schildern nämlich glaubhaft K, L und M.

Aber, auch das reicht dem Gericht nicht für wenigstens einen in dubio pro reo Freispruch aus. Wir werden ggf. sehen, was die Berufungsinstanz dazu sagt.