Kein Schmerzensgeld trotz defekter Zugtoilette

Es muss sicherlich sehr unangenehm gewesen sein: Die Klägerin stieg schon mit Harndrang in einen Zug ein. Die Zugtoilette jedoch defekt. Während der fast zweistündigen Fahrt zu ihrem Ziel schaffte es die Klägerin, den Harndrang zu unterdrücken. Auf dem Zielbahnhof kam es dann zur unkontrollierten Entleerung der Blase.

Die Klägerin verlangte nun von der Bahngesellschaft Schmerzensgeld. Sie sei nicht darauf hingewiesen worden, dass die Zugtoilette defekt sei. Als Schmerzensgeld forderte sie 400,- €. Das Amtsgericht Trier sprach ihr 200,- € zu. Auf die Berufung beider Parteien hin wies das Landgericht Trier die Klage ab (LG Trier , Urteil vom 19.02.2016 – 1 S 131/15).

Offen ließ das Gericht die Frage, ob die Bahn verpflichtet gewesen wäre, auf die defekte Zugtoilette hinzuweisen. Das sei zwar naheliegend, führe jedoch nicht zu einem Schmerzensgeldanspruch. Das Verhalten der Klägerin spreche gegen einen Anspruch. Zum einen habe die Klägerin sich trotz des bereits bestehenden Harndrangs, der bekanntermaßen langen Fahrtzeit und der nicht auszuschließenden Möglichkeit eines Defekts nicht nach einer funktionsfähigen Toilette erkundigt (Offenbar besteht nach Auffassung des Gerichtes immer eine gewisse Skepsis gegenüber der Funktionsfähigkeit von Einrichtungen in Zügen – das ist sicherlich praxisnah *g*). Zum Anderen habe sie aber auch nicht Ihre Fahrt unterbrochen um dem Harndrang abzuhelfen. Die Klägerin nutzte eine Regionalbahn die auf der Fahrtstrecke 30 Haltestellen ansteuerte, bei denen mindestens die Möglichkeit bestanden hätte, außerhalb des Bahnhofs zur Toilette zu gehen. Dies wäre aber zumutbar gewesen, da zum einen zeitnahe Anschlusszugverbindungen bestanden und zum anderen das Umfeld zumindest der größeren, auf der Strecke gelegenen Bahnhöfe, touristisch erschlossen war.

Umsonst gelitten!