Körperverletzung durch Zigarettenrauch – Rechtfertigung für Glasattacke

Wer einem anderen Zigarettenrauch ins Gesicht bläst, macht sich ggf. wegen Körperverletzung strafbar. Dies hat das Amtsgericht Erfurt, einer Meldung der Westdeutschen Zeitung zufolge, entschieden.

Dabei war nicht der Raucher selbst angeklagt. Vielmehr stand offenbar eine junge Frau vor Gericht, die dem Raucher, der ihr offenbar als Reaktion auf mehrfache Hinweise auf ein Rauchverbot in einer Disco absichtlich eine ordentliche Ladung Zigarettenrauch direkt ins Gesicht geblasen hatte. Die Frau reagierte offenbar heftiger als vom Raucher erwartet und warf nach diesem mit einem Glas. Das nahm der Raucher zum Anlass, die Frau wegen Körperverletzung anzuzeigen.

Das Amtsgericht Erfurt wertete nun die Rauchattacke selbst als Körperverletzung und den Glaswurf der Angeklagten als Notwehrhandlung und sprach diese daher frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Rauchangriff zunächst als Beleidigung angesehen und ebenfalls Freispruch beantragt.

Eine Verallgemeinerung, dass jedweder Zigarettenqualm zur Körperverletzung führt, kann jedoch nicht gesehen werden. Das Amtsgericht Erfurt nahm ausdrücklich darauf Bezug, dass der Raucher die Angeklagte bewusst mit Rauch, vermischt mit Speichelpartikeln angegriffen habe und die Angeklagte dadurch Reizungen der Atemwege erlitt. Wer nur vom Nebenmann “versehentlich” mit Rauch belästigt wird, dürfte kaum in den Genuss einer Notwehrlage zur Rechtfertigung eines körperlichen Angriffs kommen.