Reiserecht: Fehlende Einkaufsmöglichkeiten rechtfertigen Reisepreisminderung und Schadensersatz

Die Klägerin hatte für sich und ihr Kind eine Ferienwohnung auf Korfu gebucht und bei der Buchung angegeben unbedingt auf Strandnähe und nahe Einkaufsmöglichkeiten Wert zu legen. Vor Ort angekommen wurde ihr, offenbar wegen Überbelegung, eine andere Ferienwohnung zugewiesen, die 250m vom Strand entfernt lag und zudem in der Nähe nur einen Minimarkt bot.

Die Klägerin reklamierte ordnungsgemäß und zog mangels Alternative in die angebotene Ferienwohnung ein. Nach Ende der Reise machte sie ihre Ansprüche gegenüber dem Veranstalter geltend. Neben Reisepreisminderung begehrte sie auch Schadensersatz, da sie sich und ihr Kind aufgrund der fehlenden Einkaufsmöglichkeiten nicht selbst versorgen habe können und somit mehrmals mit dem Kind zum Essen in ein Restaurant gehen musste.

Das Amtsgericht München gab der Klägerin Recht (AG München, Urteil vom 21.02.2013 – 244 C 15777/12). Die Entfernung der Unterkunft zum Strand brachte 5% Preisminderung. Die Tatsache, dass die Überbuchung erst vor Ort mitgeteilt wurde stelle eine Informationspflichtverletzung dar und rechtfertige eine weitere Reisepreisminderung um 15%.

Schließlich sei das beschränkte Angebot des 800 Meter entfernten Minimarkts nicht geeignet, eine Verpflegung über 14 Tage hinweg in zumutbarer Art und Weise zu erreichen, so dass die entstandenen Mehrkosten für die externe Verpflegung in Restaurants ebenfalls erstattungsfähig sei.

Die Entscheidung erscheint auf den ersten Blick fast etwas zu urlauberfreundlich, aber das ist eine Frage des Standpunktes. Wichtig ist in allen Fällen von Reisemängeln immer, dass der Reisende unverzüglich vor Ort den Veranstalter informiert und seine Mängel anzeigt. Dies sollte alles schriftlich erfolgen. In der Regel haben die Reiseveranstalter entsprechende Formulare. Wer vor Ort Entschädigungen vorbehaltlos akzeptiert, der kann im Nachhinein ggf. keine Erstattungsansprüche mehr geltend machen. Nach Reiseende sollte man dann schleunigst einen im Reiserecht erfahrenen Rechtsanwalt aufsuchen, damit die möglichen Erstattungsansprüche geprüft und durchgesetzt werden können.