Selbst wenn dir einer die Kehle zudrückt – halte aus und hilf durch dein Schweigen

Diesen weisen Satz sagte wohl einst Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr – 65 n. Chr., römischer Politiker, Rhetor, Philosoph und Schriftsteller). Und recht hatte er, wie uns folgende Geschichte beweist:

Der Willi war des Nachts auf dem Heimweg aus der Kneipe. Es war dunkel, wie es des Nachts so üblich ist. Auf dem Heimweg geschah nichts spannendes, so dass er sich, wohl mit einigem Getöse, von dem seine liebe Frau wach wurde, um ungefähr eine Stunde nach Mitternacht ins Bett legte.

In den nächsten Tagen bekam er Post von der Polizei, die Ladung zu einer Vernehmung als Beschuldigter. Leider vergaß der Willi, seinen Anwalt zu informieren. Vielmehr ging er zur Vernehmung. Dort wurde ihm der Vorwurf gemacht, dass er in besagter Nacht auf dem Heimweg aus der Kneipe mit einem Schlüssel zwei parkende Autos zerkratzt haben sollte. Dabei wurde er gar gesehen, von einem Nachbarn, ungefähr zwei Stunden nach Mitternacht.

Willi dachte, sich dagegen selbst verteidigen zu können (Irrtum) und fing auch gleich damit an (Fehler). Er holte weit aus, beschrieb den Kneipenabend, den Zeitpunkt seines Aufbruchs, diverse Geschehnisse auf dem Heimweg und auch den Heimweg selbst. Schließlich sagte er, er könne es gar nicht gewesen sein, denn schließlich sei er um die Zeit bereits daheim gewesen.

Eigenartigerweise glaubten die Polizeibeamten dem Zeugen mehr als dem Willi. Nur eines glaubten sie dem Willi, nämlich den beschriebenen Heimweg. Dumm nur, dass eben in den vom Willi begangenen Straßen mehrere weitere Fahrzeuge ebenfalls zerkratzt wurden.

Als die Beamten dies dem Willi mitteilten, schwante ihm, dass sein Reden doch nicht so klug gewesen war. Er verließ die Vernehmung und dachte endlich an seinen Anwalt.

Der Rest ist eine Geschichte mit Happy End. Willi beauftragte einen Strafverteidiger. Dieser studierte die Akte und legte die Verteidigungsstrategie fest. Unter anderem kam es darauf an, ob der Zeuge den Willi tatsächlich hätte sehen können. Nach zwei Verhandlungstagen sowie einer Inaugenscheinnahme des Tatortes und auch der Sichtverhältnisse vom Standpunkt des Zeugen aus, war klar, dass dieser nie und nimmer hätte den Willi so sicher erkennen können, wie behauptet. Die dadurch entstandenen Zweifel an der Aussage des Zeugen ebneten den Weg für die Glaubhaftigkeit der Aussage der Ehefrau. Der Willi wurde freigesprochen.

Wir lernen: Hätte der Willi sofort einen Verteidiger beauftragt und nicht erst versucht sich selbst zu verteidigen, so hätte man ggf. sogar die Hauptverhandlung verhindern können. Die Aktenlage jedenfalls hätte bereits Raum für eine Einstellung geboten. Jedenfalls hätte man den Willi vor einer Ausweitung des Tatverdachtes bewahren können. Und hätte sich der Willi weiter selbst verteidigt, wäre es evtl. nicht zur Besichtigung des Tatortes und damit dann zum Freispruch gekommen. Die Verurteilung hätte sich dann evtl. auf alle auf Willis Heimweg zerkratzten Fahrzeuge beziehen können.

Deshalb: Wenn Sie Beschuldigter einer Straftat sind, dann schweigen Sie! Dies ist ihr gutes Recht. Machen Sie davon Gebrauch! Beauftragen Sie einen Strafverteidiger!

Im Übrigen: Der Zeuge durfte sich danach noch wegen falscher Verdächtigung einem Strafverfahren stellen. Ausgang unbekannt.

 

Ach, und wenn Sie noch ein schönes Zitat zum Schweigen benötigen:

Zur rechten Zeit zu schweigen, ist ein Zeichen von Weisheit und besser als alles Reden. (…) Noch nie hat es einen gereut, geschwiegen, wohl aber viele geredet zu haben. Das Verschwiegene kann man immer noch ausplaudern, es ist aber unmöglich, das Gesagte wieder zurückzunehmen.

Soll gesagt haben: Plutarch von Chäronea (45 – 120), griechischer Philosoph, Historiker und Konsul von Griechenland. Recht hatte er!

One thought on “Selbst wenn dir einer die Kehle zudrückt – halte aus und hilf durch dein Schweigen

  1. ich sagt:

    da fällt mir noch ein anderes Zitat ein, das meines Wissens Mark Twain zugeordnet wird:
    “Es ist besser, zu schweigen und für einen Idioten gehalten zu werden, als den Mund aufzumachen und alle Zweifel zu beseitigen.”

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