Überraschend schon verhandelt

Ich vertrete das Opfer einer Straftat. Der Mandant war von drei Personen geschlagen und getreten worden. Neben der Gesundheitsschädigung entstand auch Sachschaden. Leider war die Identität der Täter nicht bekannt. Ebenso konnte zunächst nicht beurteilt werden, ob eine gemeinschaftliche Tat vorlag, oder ob Tatbeiträge nur einem einzelnen Täter zuzuordnen waren.

Nachdem der Mandant zu mir kam, kamen wir überein, dass die Ansprüche im Strafverfahren im Rahmen des Adhäsionsantrages verfolgt werden sollen. Da zu diesem Zeitpunkt nur das polizeiliche Aktenzeichen vorlag, erfolgte die Legitimation und das Akteneinsichtsgesuch dorthin. Wenig später erhielt mein Mandant vom Gericht eine schriftliche “Entschuldigung” eines der Täter zugestellt. Mit dem nun bekannten Aktenzeichen wurde das Akteneinsichtsgesuch erneuert und vor allem darauf hingewiesen, dass der Anschluss als Adhäsionskläger beabsichtigt ist. Darüber hinaus war eigentlich klar, dass der Mandant als Verletzter und vermutlich einziger Tatzeuge wohl eh zum Termin geladen werden sollte.

Nun wurde mir per gerichtlichem Schreiben bekannt gegeben, dass der Verhandlungstermin gegen einen Täter bereits gelaufen sei (vor Zustellung der Entschuldigung). Die Verhandlung fand ohne den Mandanten statt. Das Akteneinsichtsgesuch war offensichtlich entweder von der Polizei nicht weitergeleitet oder vom Gericht ignoriert worden. Wenn auch sonst immer von “Opferschutz” gesprochen wird, kann ich nicht nachvollziehen, dass hier das Opfer außen vor bleibt.

Nun gut, dann wird der erste Verurteilte halt eben zivilrechtlich belangt.