Unlauterer Wettbewerb? Beeinträchtigung von Verbraucherrechten? Amazon sperrt Kundenkonten!

Der Versandhändler Amazon sperrt offenbar Kundenkonten, deren Inhaber in der Vergangenheit zu häufig Ware bestellt und wieder zurückgesandt haben. Dies berichtet zumindest Meedia an dieser Stelle.

Unabhängig davon, dass die Amazon selbstverständlich grundsätzlich tun darf, schließlich kann jeder Händler bestimmen, mit wem der Verträge abschließt, stellt sich die Frage, ob dies nicht die Konkurrenz (berechtigterweise) zu Gegenmaßnahmen bringen kann. Denn durchaus muss die Frage erlaubt sein, ob diese Geschäftspraktik nicht als unlautere Wettbewerbshandlung anzusehen ist.

Dabei geht es letztendlich um die Frage, ob Kunden an der Ausübung ihres Widerrufsrechtes gehindert werden sollen. Denn innerhalb der nächsten Tage wird sich die Meldung verbreiten und nicht wenige Amazon-Kunden werden vermutlich darüber nachdenken, ob sie beim nächsten Mal wirklich eine bestellte Ware zurückgehen lassen, oder nicht.

Dem ein oder anderen stellt sich dabei die Frage: Na und? Soll doch der Kunde dann woanders kaufen! Händler gibt es schließlich genug. Das ist insoweit auch korrekt. Der normale Kunde, dessen Konto gesperrt wird, sucht sich vermutlich wirklich einen anderen Onlinehändler. Diesem Kunden dürfte daher die Drohung herzlich egal sein, er wird kaum durch diese Maßnahme beeinflusst werden.

Anders sieht es aber bei Kunden aus, die langfristig an Amazon gebunden sind: Kindle-Besitzer! Wir erinnern uns, dass der Kindle Amazons E-Bookreader ist, der nicht nur relativ einfach Bücher aus dem Amazon Sortiment laden kann sondern gleichzeitig alle anderen Onlinebuchhändler außen vor lässt. Das weit verbreitete E-Book-Format epub unterstützt der Kindle nicht. Er kann also E-Books, die bei anderen Buchhändlern geladen werden können, nicht anzeigen. (*)

Damit ist der Kindle-Besitzer von Amazon abhängig. Ist sein Kundenkonto gesperrt, gibt es vermutlich keine Möglichkeit mehr für ihn, E-Books bei Amazon zu kaufen. Er kann wahrscheinlich alles, was er bereits hat zwar weiter lesen. Neues Futter für den Kindle gibt es wahrscheinlich aber nicht. Und genau das kann ein (vielleicht unbewußtes) Druckmittel für den Händler sein: Machst Du, lieber Kunde, zu häufig von dem Dir gesetzlich zustehenden Widerrufsrecht Gebrauch, sorge ich dafür, dass Du in Zukunft bei mir nichts mehr bestellst und auch nix mehr zu lesen hast.

Das kann in der Tat wettbewerbswidriges Verhalten sein, weil Kunden von der Geltendmachung ihnen zustehender Verbraucherrechte abgehalten werden.

Wir werden sehen, ob die Angelegenheit eine Verbraucherzentrale oder die Konkurrenz auf den Plan ruft.

 

Im Übrigen berichten auch die Kollegen Vetter (hier) und Dosch (hier) von der Angelegenheit und kommen zur gleichen Einschätzung.

 

(*) Zumindest ist uns keine technisch mögliche oder von Amazon zugelassene Möglichkeit bekannt. Auch andere Händler, die das Kindle-Format anbieten, sind uns nicht bekannt.
Update: Wie mir der Kollege König jedoch mitgeteilt hat, gibt es externe Tools, die eine Konvertierung von epub in ein vom Kindle lesbares Format erlauben. Inwieweit dies komfortabel oder wünschenswert ist, ist eine andere Frage.