Wenn sich der Automobilclub aufs Wasser wagt…

Man bewarb ihn als  “eine kostengünstige Alternative zu Gutachten von vereidigten Sachverständigen”. Ohnehin sei man “die einzige Institution, die so etwas wie einen Boot-Check neutral, frei und unabhängig machen könne.” Starke Worte, insbesondere wenn man bedenkt, dass damit der ADAC, des deutschen Autofahrers wohl beliebtester Automobilclub, seinen eigenen “ADAC Boot-Check-Bericht mit Prüfplakette” bewarb.

Zu stark waren die Worte denn auch für die Wettbewerbszentrale, die den ADAC daraufhin abmahnte. Offenbar sah man auch im Club ein, dass die Aussagen doch etwas zu starker Tobak und zudem geeignet waren, den Berufsstand der Boot-Sachverständigen in Mitleidenschaft zu ziehen. Man gab auf die Abmahnung hin eine Unterlassungserklärung ab und unterläßt zukünftig die beanstandeten Aussagen.

Rein werberechtlich erscheint mir die Aussage, der Bootcheck sei eine kostengünstige Alternative zu Sachverständigengutachten gerade noch vertretbar. Dies zumindest solange, wie er tatsächlich kostengünstiger ist und den gleichen Zweck erfüllt. Außerdem müßte ein vergleichbarer Standard wie bei einer sachverständigen Begutachtung eingehalten werden. Genau an letzterer Voraussetzung haperte es offensichtlich jedoch, da der so beworbene Check offenbar nur vorsichtig an der Oberfläche des Bootes kratzte, insbesondere nur eine kurze Sichtprüfung erfolge.

Die Aussage, der ADAC sei “die einzige Institution, die so etwas wie einen Boot-Check neutral, frei und unabhängig machen könne” hingegen dürfte erkennbar unlautere Werbung sein. Mit dieser Aussage wird der Berufsstand der Sachverständigen unzulässig abfällig bewertet. Die Aussage vermittelt den Eindruck, Bootsachverständige würden nicht neutral und unabhängig arbeiten und nur mit dem ADAC-Check sei eine wirklich qualitativ hochwertige und neutrale Bewertung des Zustandes des Bootes gegeben, was besonderes Vertrauen beim Gebrauchtbootkauf gegen soll.