Wenn Sie nicht wollen, dann such ich mir halt einen anderen! – Es lebe die Beratungshilfe

Ein potentieller Mandant rief an und begehrte eine rechtliche Beratung. Er meinte, er komme gerade von einem Kollegen, und der wollte die Sache wohl wegen der Kosten nicht machen.

Dies ließ mich aufhorchen und brachte mich dazu, mal nach den pekunären Dingen zu fragen. Er habe Prozesskostenhilfe beantragt und bewilligt bekommen. Ein Prozess laufe aber noch nicht. Er wolle ersteinmal beraten werden.

Daraufhin teile ich ihm mit, dass, wenn er nicht selbst zahlen wolle, ich einen Berechtigungsschein für Beratungshilfe benötige, zu beantragen beim zuständigen Amtsgericht.

Das habe ihm der andere wohl auch gesagt. Er habe doch aber Prozesskostenhilfe. Meinen Einwand, dass dies nicht dasselbe sei, ließ er nicht gelten. Es können nicht angehen, dass er nun schon wieder zum Gericht laufen müsse. Er habe anderes zu tun. Wo bleibe da der Service? Und wenn ich die Sache nicht machen wolle, dann suche er sich halt einen anderen.

In Ordnung dachte ich mir, auch der andere wird tendenziell die gleiche Auffassung wie ich, und offenbar mein Vorgänger, haben und ihm dies kundtun.

In diesem Zusammenhang ein Hinweis: Wenn Sie sich eine anwaltliche Beratung nicht leisten können, steht Ihnen in den meisten Fällen Beratungshilfe zu. Hierzu müssen Sie jedoch zunächst einen Berechtigungsschein vom Amtsgericht holen und erst danach einen Termin bei mir vereinbaren. Aufgrund der Praxis einiger Amtsgerichte bei der Beratungshilfe geht das leider nicht anders. Und dass ein Anwalt für die 30,- EUR Beratungs- bzw. 70,- EUR Tätigkeitsgebühr nicht auch noch mit Rechtsmitteln dem Geld hinterherrennen kann, dürfte verständlich sein.

Erleichtern Sie uns Anwälten also unsere Arbeit und holen Sie den Berechtigungsschein vom Amtsgericht vorab. Dann leisten wir Anwälte auch gern Beratungshilfe.

Weitere Hinweise zu den Kosten gibts hier.

3 thoughts on “Wenn Sie nicht wollen, dann such ich mir halt einen anderen! – Es lebe die Beratungshilfe

  1. RA Ratzka sagt:

    @Marian Härtel: In der Tat sollte man die wirtschaftliche Seite nicht betrachten. Aber hier im ländlichen Umfeld mit hohen Arbeitslosenquoten bearbeiten eigentlich noch alle Kollegen Mandate auch auf Beratungshilfe. Allerdings gilt das nicht in allen Rechtsgebieten.

  2. Zweifler sagt:

    Der potentielle Mandant hat -allein- PKH beantragt und bewilligt bekommen, d. h. sich durch mehrere Seiten Formular gewühlt und seinen Anspruch immerhin für PKH ausreichend dargelegt, ist aber zu doof und/oder zu faul, einen Beratungshilfeschein zu erlangen!?

    “Ich habe den Mount Everest erklommen und hätte gerne die Anstecknadel dafür, aber die Treppe zum Anstecknadelvergabebüro hochzuklettern, das ist mir zu anstrengend.

  3. Sehr löblich, dass sie das überhaupt noch machen, betriebswirtschaftlich darf man das eigentlich nicht und wir machen es auch nicht – mehr. Für die knapp 40 Euro (Beratung) oder 100 (bei vorgerichtlicher Vertretung), denen man dan auch noch 4 Monate hinterherennen darf, kann man eigentlich keine Kanzlei finanzieren.

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