Wird die Wende beim Schmerzensgeld eingeläutet?

Während Geschädigten in den USA in vielen Fällen Schmerzensgeldbeträge zuerkannt werden, mit denen mancher seinen Lebtag lang ausgesorgt hat, zeigt die die Rechtsprechung in Deutschland (zumindest gefühlt) recht knauserig.

Dies könnte sich aber in nächster Zeit ändern, zumindest wenn sich mehr Gerichte der Auffassung des Landgerichtes Wuppertal anschließen. Dieses hat nämlich aktuell einem Vergewaltigungsopfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zugestanden (LG Wuppertal, Urteil vom 05.02.2013, Az.: 16 O 95/12).

Diese, nach Angaben des Gerichtes in Vergewaltigungsfällen bislang unerreichte Summe kam unter anderem wohl dadurch zustande, dass das Gericht die enorme Einwirkung des Täters auf das Opfer, dass zur Tatzeit 16 Jahre alt und im 4. Monat schwanger war offenbar sehr deutlich in die Bemessung des Schmerzensgeldes einbezog. Der Täter hatte das Opfer entführt, einige Tage lang festgehalten und mehrfach stundenlang vergewaltigt. Im Strafverfahren war der Täter 2009 wegen Geiselnahme und Vergewaltigung zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Leider wird eine Frage bleiben: Wie soll die Klägerin ihren Anspruch tatsächlich vollstrecken? Der Täter war offenbar zum Zeitpunkt der Tat ein arbeitsloser Verkäufer und hat darüber hinaus noch einige Jahre hinter Gittern zu verbringen. Es muss daher bezweifelt werden, dass das Opfer von der ihr zugesprochenen Summe in absehbarer Zeit einen nennenswerten Betrag sehen wird. Leider!