„Reisewarnung“

Die Urlaubszeit steht für die meisten bevor, für manche hat sie gar schon begonnen. Wir wünschen allen eine tolle und stressfreie Urlaubszeit! Manchmal aber klappt das nicht. Da ist das Hotel überbucht, die Zimmer schmutzig, das Essen schlecht, der Strand überfüllt.

Wenn man nach der Heimkehr von einer Pauschalreise dann Ansprüche geltend machen will, muss man bereits im Urlaubsort einige wichtige Dinge beachten, sonst sind Ansprüche später ausgeschlossen:

1.
Wenn Mängel vorhanden sind, teilen Sie diese dem Reiseveranstalter unverzüglich mit. Reiseveranstalter ist das Unternehmen, bei dem Sie die Reise gebucht haben. Das ist bei einer Pauschalreise in der Regel nicht der Hotelbesitzer vor Ort, nicht der Rezeptionist, nicht die Putzfrau, nicht der Barkeeper. Jeder Reiseveranstalter sollte Ihnen im Vorfeld der Reise mitgeteilt haben, wohin Sie sich im Fall von Mängeln wenden können. Oft existieren in größeren Urlaubsorten entsprechende Büros. Ansonsten gibt es eine Hotline. Rufen Sie notfalls Ihr Reisebüro an und fragen Sie nach, wohin Sie sich wenden können (das Reisebüro selbst ist auch nicht zwingend Ihre Reiseveranstalter).

2.
Übergeben Sie eine schriftliche Mängelliste und fordern Sie die Beseitigung der Mängel unter entsprechender Fristsetzung. Dies ist zwingend notwendig! Wer einfach so sich ein neues Hotel nimmt oder gar abreist, ohne vorher den Reiseveranstalter zur Mangelbeseitigung aufgefordert zu haben, verliert Ansprüche! In der Regel haben zumindest die größeren Veranstalter entsprechende Formulare vor Ort. Ziehen Sie Zeugen hinzu (und notieren Sie deren Adressen). Fotografieren Sie die Mängel. Geben Sie Zeugen beim Reiseveranstalter an und übersenden Sie die Beweisfotos.

3.
Eine Mangelbeseitigung müssen Sie akzeptieren. Ist das schmutzige Zimmer gereinigt, dann ist der Mangel beseitigt und es bestehen keine weiteren Ansprüche. Ist der Mangel nicht zu beseitigen, dann kommt es darauf an, ob der Reiseveranstalter Ihnen Alternativen anbietet. Dies kann der Umzug in ein anderes Zimmer sein, ebenso der Umzug in ein gleichwertiges anderes Hotel. Dies kann aber, insbesondere bei kleineren Mängeln, mal nur ein Gutschein für die Hotelbar, ein Mietwagen für einen Tag oder ein paar Strelizien für die heimische Blumenvase sein (wird auf Gran Canaria gern angeboten). Akzeptieren Sie eine der angebotenen Alternativen widerspruchs- und vorbehaltlos, so sind weitere Ansprüche wegen dieses Mangels erledigt. Erscheint Ihnen das Angebot zu schlecht, dann lehnen Sie es lieber ab. Oder nehmen Sie es „unter Vorbehalt der Geltendmachung weiterer Ansprüche“ an. Nochmal: Wer für eine kleine Baustelle in der Hotellobby einen kostenlosen Mietwagen für zwei Tage akzeptiert, der kann im Nachhinein keine Reisepreisminderung mehr geltend machen.

4.
Der Abbruch der Reise und die vorzeitige Rückreise sind nur in Ausnahmefällen eine Option, zumindest, wenn Sie Reisepreisminderung und vor allem Rückflugkosten nachher geltend machen wollen. Dazu muss Ihnen die Fortsetzung der Reise unzumutbar sein. Die Rechtsprechung legt die Hürden diesbezüglich hoch. Was überhaupt nicht funktioniert, ist die unverzügliche Abreise nach Ankunft am Urlaubsort. Egal wie mies das Hotel ist, egal wieviel Schmutz und welche Mängel vorhanden sind. Erst muss die Mängelrüge an den Reiseveranstalter erfolgen (siehe oben) und ihm eine Frist zur Mangelbeseitigung oder zum Angebot einer Alternative gesetzt werden!

5.
Sie haben sich an alles Vorstehende gehalten? Der Mangel war nicht zu beseitigen? Die angebotenen Alternativen nicht akzeptabel? Dann kommen Sie wahrscheinlich mit genügend Frust aus dem Urlaub. Jetzt sollten Sie schnell sein! Denn auch wenn die im letzten Jahr noch gültige Regelung, dass Ansprüche binnen eines Monats nach Reiseende beim Veranstalter angemeldet werden müssen, mittlerweile abgeschafft ist, ist eine schnelle Geltendmachung von Ansprüche immer noch geboten. Ihnen bleiben zwar nunmehr zwei Jahre Zeit. Insbesondere aber die Erinnerungen von Zeugen verblassen oft schon nach wenigen Monaten. Dann wird es eventuell schwer, Ansprüche noch zu beweisen. Daher sollten Sie zeitnah nach Reiseende Ansprüche auf Reisepreisminderung beim Veranstalter anmelden. Idealerweise lassen Sie dies einen Rechtsanwalt tun, der bereits im Vorfeld die mögliche Minderung einschätzen und zudem mit dem Veranstalter und dessen Rechtsabteilung auf Augenhöhe kommunizieren kann.

 

Übrigens: Buchen Sie Flug und Hotel separat, unternehmen Sie also keine Pauschalreise, dann gelten die vorstehenden Ausführungen nicht. Insbesondere bei Hotelbuchungen im Ausland richten sich alle möglichen Ansprüche nach dem Recht am Ort des Hotels.

Und: Bei verspäteten Flügen gilt die EU-Fluggastrechteverordnung, aus der sich pauschale Ansprüche ergeben. Dies gilt nicht nur bei Individual- sondern auch bei Pauschalreisen. Ansprüche aus der Fluggastrechteverordnung schließen im Übrigen Ansprüche auf Reisepreisminderung wegen der Verspätung (ab 5 Stunden) nicht aus.

Die maßgeblichen Regelungen zum Pauschalreisevertrag finden Sie in den §§ 651a  – 651y BGB. Die Frankfurter Tabelle, die die Höhe einer möglichen Reisepreisminderung darstellt, finden Sie an vielen Stellen im Internet, unter anderem hier.

 

Und nun wünschen wir Ihnen eine schönen und erholsamen Urlaub. Wenn es doch nicht so perfekt läuft, stehen wir Ihnen nach Rückkehr gern mit Rat und Tat zur Seite. Rufen Sie uns einfach an!